Interview mit Stefan Frank

Was haben Sport und Heimatgefühle gemeinsam? Nachgefragt bei Stefan Frank, Präsident des Schlittschuhclubs Reinach.

msu. In einem wohltuenden Kontrast zu vielen anderen politisch «vorbelasteten » Bundesfeiern steht der 1. August in Reinach. Hier tritt kein prominenter Volksvertreter ans Mikrofon, um sich bei seiner helvetische Zuhörer- und möglicherweise künftigen Wählerschaft mit mehr und weniger markigen Worten politisches Profil zu verschaffen, sondern ein Mann von der sportlichen Basis: Stefan Frank. Er ist Präsident des Schlittschuhclubs SC Reinach und hat seinen Verein in jüngster Zeit aus den roten in die schwarzen Zahlen und damit in eine für alle Beteiligten (Aktive, Sponsoren, Zuschauer usw.) erfolgversprechende Zukunft geführt.

Stefan Frank, wir kennen uns bereits länger und bleiben deshalb beim persönlicheren Du: Was zum Geier hat dich bewogen, nun auch noch als Bundesfeierredner «Karriere» zu machen?

Das war genau derselbe Geier, welcher mich dazu bewogen hat, «Karriere» beim SC Reinach zu machen. Manchmal muss man einfach zu etwas Ja sagen im Leben, ohne genau zu wissen, was einen erwartet. Meistens erhält man so die Chance, interessante Erfahrungen zu machen. Deswegen würde ich mein Lebensmotto als eines der kürzesten überhaupt beschreiben: «Ja».

Was dürfen die Zuhörerinnen und Zuhörer an der Bundesfeier von dir erwarten?

Keine von kleinen Kärtchen abgelesene Werbeveranstaltung. Gerne möchte ich als Vereinsvertreter die Bedeutung des Vereinslebens in der Gesellschaft erläutern. Ich bin der festen Überzeugung, dass die Schweiz zwei wichtige Pfeiler für ihren Erfolg hat: Klein- und mittelgrosse Unternehmen (KMUs) und Vereine. Die Vorträge zu KMUs überlasse ich aber anderen und beschränke mich auf das Vereinsleben. Zum Schluss werden wir noch einige amüsante Kuriositäten aus dem Fundus an lustigen Vereinen sehen. Und mehr weiss ich ehrlich gesagt auch noch nicht. Ich würde mal sagen, lasst euch überraschen, so wie ich mich von mir selbst überraschen lassen werde. 🙂

Welchen Stellenwert haben Vereine innerhalb der heutigen, von Socialmedia überlagerten Gesellschaft?

Vereine haben, soviel bereits vorweg, einen enorm hohen Stellenwert. Wäre ich zum Beispiel nicht im Vorstanddes SC Reinach, müsste ich viel mehr Fernsehschauen und im Facebook surfen. Damit ich das aber nicht tun muss, habe ich mich für genau dieses Amt entschieden!

Vereine sind somit für die Gesellschaft wichtig?

Sehr sogar! Ein Verein hat ja immer mehrere Aspekte. Ich würde diese unterteilen in ich, wir, sie. ICH, Hans Muster, lerne extrem viel in einem Verein. Kameradschaft, Teamgeist und das Verlieren, obwohl ich mit letzterem auch heute noch so meine Mühe habe. WIR heisst: als Verein halten wir zusammen. Ich höre meinen Kameraden zu und gerade in schwierigen Lebenssituationen sind Vereine meist ein enorm wichtiges Standbein. Und dann kommt das SIE, die Gesellschaft. Man denke mal, jeder Feuerwehrmann hätte gerne 30 Franken auf die Stunde. Ich glaube, es käme dann günstiger, die Häuser einfach brennen zu lassen. Es ist auch der Aspekt der Freiwilligenarbeit, welcher die Vereine für die Gesellschaft so wichtigmachen.

Um welche Themen wirst du in der 1.-August-Rede mit Sicherheit einen so grossen Bogen machen wie der Teufel ums Weihwasser?

Um den Brexit. Haha, nein, um alles, was mit Politik zu tun hat. Nicht dass mich die Politik nicht interessiert, aber sie hat im Vereinsleben aus meiner Sicht einfach nicht viel verloren.

Wie interpretiert Stefan Frank so emotionale Begriffe wie Schweizer Kreuz und Heimat?

Heimat, ein sehr wichtiges Wort, gerade für mich. Da ich während fünf Jahren in Ländern wie Iran, Saudi  Arabien, Kasachstan, Marokko oder Bahrain gelebt habe, hat Heimat für mich eine grosse Bedeutung bekommen. Das hat aber sicherlich auch etwas mit dem Alter zu tun, denn ich denke gerade im Alter kommt irgendwann der Zeitpunkt, wo man den Weg zurück zu den Wurzeln sucht. Zumindest war das bei mir so. Das Schweizer Kreuz symbolisiert für mich die Unabhängigkeit der Schweiz. Aber jetzt muss ich aufpassen, dass ich nicht in die Politik abrutsche, denn das wollte ich ja genau vermeiden.

Diese Metaphern lassen sich auf die soeben zu Ende gegangene Fussball- Europameisterschaft übertragen. Was ist von Fussballern zu halten, die bei der Nationalhymne nicht mitsingen, sondern nur grimmig dreinschauen?

Fussball, was ist das nochmal? (smile…) Nun, in diesem Punkt bin ich recht offen. Würde ich in der Nationalmannschaft spielen, würde ich die Nationalhymne sicherlich auswendig können. Aber auch bei der Show «Die grössten Schweizer Talente » vergessen sie manchmal den Text. Ich gehe mal davon aus, dass unsere Spieler vor lauter Nervosität einfach den Text vergessen haben. Wenn sie dann später wenigstens die Tore geschossen hätten, aber das haben sie vor lauter Nervosität dann auch gleich vergessen…

Wenn wir beim Sport sind: Was hat der SC Reinach in den vergangenen Jahren erreicht und welche Ziele hat sich der Club für die kommende Saison gesetzt?

Ich bin jetzt ziemlich genau ein Jahr Präsident des SC Reinach, somit ist es relativ schwierig eine Aussage über die vergangenen Jahre zu treffen. Ein Verein braucht aus meiner Sicht drei Dinge, um nachhaltig Erfolg zu haben. Zufriedene Mitglieder, eine gesunde finanzielle Situation und Personen, die den Verein ideell und mit Taten unterstützen. Im Nachwuchsbereich hat man in den letzten Jahren in Zusammenarbeit mit der Hypothekarbank Lenzburg und der daraus entstandenen Hypi-Hockeyschule einen hervorragenden Job gemacht. Im Bereich der ideellen Unterstützung hat der SC Reinach sicherlich die Talsohle vor einigen Jahren durchschritten. Um an alte Zeiten anzuknüpfen, man denke da an die 1. Liga Aufstiegsspiele oder an die Schweizermeister Titel der Frauen, benötigt es noch einiges an Effort. Hier werden wir weiter daran arbeiten, die Wynentaler in die Höhle des SC Reinachs zu locken.

Und wie steht es um die Finanzen?

Unser Fokus für das letzte Jahr lag somit sicherlich auf den Finanzen. In diesem Bereich dürfen wir auf eine erfolgreiche Saison zurückblicken. Schwierige Entscheidungen wie die Schliessung des Flohmarktes musstengetroffen werden, als Resultat dürfen wir jedoch verkünden, dass der SC Reinach nun schuldenfrei ist. Die Finanzen werden immer eine grosse Herausforderung bleiben, denn Eishockey ist nun halt mal nicht ganz gratis. Für die kommende Saison machen wir ganz einfach eines: Weiter so. Hierbei liegt der Fokus klar auf dem Nachwuchs, denn dieser ist die Achillessehne eines jeden Vereins.

Die nicht ganz ernst gemeinte Frage zum Schluss: Lampions oder Feuerwerk, Bratwurst oder Cervelat am 1. August – oder noch viel lieber beides?

Das ist nun die schwierigste Entscheidung, der ich in den letzten Jahren begegnet bin. Also am liebsten Bratwurst und Cervelat bei Lampions und Feuerwerk. Aber wenn ich die Lampions gegen ein Bier eintauschen könnte, dann würde ich diesen Deal sicherlich eingehen.

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