Wenn der Wille Berge versetzt …

Das Reinacher Frauen-Eishockey schafft den Ligaerhalt vorzeitig. Aus notorischen Verliererinnen wurden innert kürzester Zeit Siegerinnen, die mit ihrem Weg der Vernunft in eine erfolgreiche(re) Zukunft gehen wollen.

Von Daniel Monnin, Aargauer Zeitung

Nicole Gublers „goldenes Tor“ in der Verlängerung des fünften Playout-Spiels setzte einen glücklichen Schlussstrich unter eine unglückliche Saison: Mit dem hehren Ziel gestartet, die verworrene Vergangenheit mit den vielen Irrungen und Wirrungen hinter sich zu lassen, mit einem Rookie-Coach und talentierten, aber jungen und unerfahrenen Spielerinnen aus der Region, gepaart mit ein paar Routiniers und ohne teure ausländische Verstärkungen das Unternehmen Ligaerhalt anzugehen, bezahlte Reinach noch und noch Lehrgeld, verlor Spiel um Spiel, bisweilen auch etwas den Mut, aber nie die Überzeugung, dass genau dieser Weg durch die Hölle der einzig gangbare ist. Der Ligaerhalt ist deshalb auch ein Sieg der Vernunft, mit einem überschaubaren finanziellen Aufwand, der vor allem in den regionalen Nachwuchs investiert werden soll. Es ist aber auch ein Beweis dafür, dass der Wille im Sport eben doch Berge – oder zumindest Hügel – versetzen kann.

 

Drei Siege in fünf Spielen

Einen einzigen Punkt erkämpften sich die Oberwynentalerinnen in den 20 Spielen der Qualifikation, 20 Niederlagen nagten am Selbstvertrauen und doch haben sie es geschafft: Die Last Minute-Transfers um die Jahreswende von Nationaltorhüterin Vanessa Bolinger und der britischen Nati-Spielerin Kimberley Lane, die Rückkehr nach Verletzungspause von Captain Sandra Thalmann und kleine, aber wichtige Details in der Spielentwicklung machten aus dem klaren Abstiegskandidaten plötzlich einen ernstzunehmenden Gegner. Aus Verliererinnen wurden innert kürzester Zeit Siegerinnen. Drei Playout-Siege in fünf Spielen gegen ein Weinfelden, das bis kurz vor Schluss der Qualifikation noch an die Playoffs geglaubt hatte, das ist eine bemerkenswerte Leistung, die Hochachtung verdient und den Weg in eine etwas einfachere Zukunft ebnet.

Baumeisterin des Erfolges ist Rookie-Trainerin Melanie Häfliger. Sie gibt die Lorbeeren weiter, an ihr Team, „das nie aufgegeben hat und immer positiv geblieben ist“. Nüchtern stellt sie fest, dass „wohl diejenige Mannschaft die Serie gewonnen hat, die den Sieg mehr wollte.“ Eine Aussage, die auf eindrückliche Weise Reinachs Einstellung unterstreicht. „Wir haben das Optimum herausgeholt“, weiss Häfliger und sagt: „Auf diesem Weg der Vernunft wollen wir weitergehen, uns weiter entwickeln. Es muss unsere Aufgabe sein und bleiben, den jungen Spielerinnen aufzuzeigen, was in Reinach mit harter Arbeit und Konsequenz möglich ist.“

 

Kaum grosse Änderungen

Sie unterstreicht, wie wichtig auf diesem Weg Spielerinnen wie Captain Sandra Thalmann – sie wird im Februar 2018 ihre dritten Olympischen Spiele bestreiten -, sind: Mit ihrer charakterlichen und physischen Präsenz hat sie – neben ihren Toren und Assists – das Team nach ihrer Rückkehr stabilisiert. Ihr und den andern Routiniers im Team wird auch in der kommenden Saison eine zentrale Bedeutung zukommen. Gross verändern wird sich das Gesicht der Mannschaft kaum, dennoch hofft Häfliger, dass „sich die eine oder andere Spielerin überzeugen lässt, dass im Aargau im Frauenhockey wieder was Gutes am Laufen ist.“